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100 JAHRE HOTEL LAURIN
Der unbequemste Gast
Franz Staffler ist auf seinen
Großvater und Vater gefolgt. Das
vor hundert Jahren eröffnete
Hotel Laurin, eines der letzten
wahren Grandhotels, hat ihn
sein Leben lang begleitet. Ein
Gespräch mit einem Hotelier der
besonderen Art.
Radius: Sie entstammen einer Hoteliers-
Dynastie, sind aber eigentlich kein typischer
Hotelier ...
F. Staffler: Ich leite das Hotel natürlich
nicht selbst, obwohl ich immer
wieder und überall mit eingreife. Die
verschiedenen Umbauten zwischen
1992 und 1997 habe ich persönlich
geleitet, habe alles selbst ausgesucht,
Stoffe, Möbel, jeden Türhaken, usw.
Ich kenne jeden Stein im Laurin.
Radius: Das Laurin ist nicht einfach nur eines
unter Ihren verschiedenen Business?
F. Staffler: Nein, sicher nicht, dazu bin
ich viel zu sehr im Detail involviert. Ich
sehe mich eher als einen Gast, einen
unbequemen, einen kritischen Gast,
der keine Betriebsblindheit hat.
Radius: Das Laurin – für Sie ganz persönlich?
F. Staffler: Es hat mein Leben begleitet. Ich
habe immer nebenan gewohnt. Es war
einfach immer da. Ich habe Streiflichter
als Kind. Mein Vater, der bei Tisch über
das Laurin redet. Es ist einfach etwas Vertrautes
für mich, ein Objekt, das ich mit
den Jahren lieben gelernt habe.
Radius: Hundert Jahre jung – Was hat
Sie dazu geführt, dieses Jubiläum auf
ein ganzes Jahr auszudehnen und auch
die Stadt Bozen und das kulturelle Umfeld
mit einzubeziehen?
F. Staffler: Ein Jubiläum für einen Tag
mit einem rauschenden Fest – das feiern
alle. Es schien mir nicht sinnvoll, nicht
angepasst für das Laurin. Dieses Hotel ist
so verwoben mit Kunst und Kultur, deshalb
wollte ich das Laurin und die verschiedenen
Strukturen, das Museion, das
Haydn-Orchester, das MMM, die Design-
Fakultät – Dinge, die bei uns zusammenlaufen
– miteinander vernetzen.
Radius: Haben Sie selbst schon einmal
im Laurin übernachtet?
F. Staffler: Einmal vor Jahren, als ich
den Hausschlüssel vergessen hatte. Ich
war ohne Pyjama, ohne Zahnbürstl, ohne
Buch auf dem Nachttisch ... Aber das
Bett war bequem, das Bad war gut.
Radius: Was macht Ihrer Meinung nach
den ganz persönlichen Charme des
Laurin aus?
F. Staffler: Das müssen Sie die Gäste fragen.
Ich denke, dass es kein Kettenhotel
ist, dass alles individuell abgestimmt ist.
Die Ausstattung, die Kunst, das Flair,
der Park, die Küche und natürlich die
Mitarbeiter. Sie sind darauf getrimmt,
jeden Gast mit einer ganz persönlichen
Note zu behandeln.
Radius: Ihnen gehören die beiden ersten
Häuser im Zentrum von Bozen. Wo sehen
Sie politischen Handlungsbedarf in
der Fremdenverkehrspolitik?
F. Staffler: Bozen ist eine Stadt, die viel
bietet, eine in jeder Hinsicht reiche Stadt.
Aber es ist nichts vernetzt. Nichts wird
kundgetan. Im Ausland gibt es Bozen
und sein Angebot nicht. Ein schwarzer
Seit 1910 Hauselektriker des Hotel Laurin.
Electro Universal GmbH
Kampill Center
Innsbrucker-Straße 25
I - 39100 Bozen - (BZ)
Tel. 0471 974 572
Fax 0471 327 567
info@electrouniversal.it
www.electrouniversal.it
Fleck. Wir haben eine Kurverwaltung voll politischer Honoratioren
jeder Couleur, die nichts bewegen. Außerdem
hat Bozen keine Identität. Ist einfach zu zerrissen. Zwischen
Deutsch und Italienisch. Zwischen Industrie und
Kaufleuten. Wer in Bozen lebt, ist nicht stolz Bozner zu
sein. Das Zusammenleben wird zu wenig praktiziert. Man
trennt lieber. Es fehlt an Promotion. Dabei könnten wir
die Kulturhauptstadt par excellence sein.
Radius: Für Sie persönlich das absolute Highlight des Jubiläumsjahres?
F. Staffler: Schwer zu sagen. Vielleicht das Rossini Diner
am 28. August. Vier Klaviere mit vier Pianisten, darunter
Gustav Kuhn. Acht Sänger. Rossini, Belcanto und napoletanische
Lieder. Alles um den Elefanten herum. Im
Restaurant, im Park, in der Loungebar. Gute Leute, gute
Musik.
Radius: Und was kommt nach den Hundertjahr-Feiern?
F. Staffler: Life. Was das Leben eben so bringt. Jung bleiben.
Neue Ideen. Eine CD über den Jubiläumsjazz ...
Franz Staffler mit
Gustav Kuhn
02/2010 59