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Radius 02/2010 Golf

100 JAHRE HOTEL LAURIN Der unbequemste Gast Franz Staffler ist auf seinen Großvater und Vater gefolgt. Das vor hundert Jahren eröffnete Hotel Laurin, eines der letzten wahren Grandhotels, hat ihn sein Leben lang begleitet. Ein Gespräch mit einem Hotelier der besonderen Art. Radius: Sie entstammen einer Hoteliers- Dynastie, sind aber eigentlich kein typischer Hotelier ... F. Staffler: Ich leite das Hotel natürlich nicht selbst, obwohl ich immer wieder und überall mit eingreife. Die verschiedenen Umbauten zwischen 1992 und 1997 habe ich persönlich geleitet, habe alles selbst ausgesucht, Stoffe, Möbel, jeden Türhaken, usw. Ich kenne jeden Stein im Laurin. Radius: Das Laurin ist nicht einfach nur eines unter Ihren verschiedenen Business? F. Staffler: Nein, sicher nicht, dazu bin ich viel zu sehr im Detail involviert. Ich sehe mich eher als einen Gast, einen unbequemen, einen kritischen Gast, der keine Betriebsblindheit hat. Radius: Das Laurin – für Sie ganz persönlich? F. Staffler: Es hat mein Leben begleitet. Ich habe immer nebenan gewohnt. Es war einfach immer da. Ich habe Streiflichter als Kind. Mein Vater, der bei Tisch über das Laurin redet. Es ist einfach etwas Vertrautes für mich, ein Objekt, das ich mit den Jahren lieben gelernt habe. Radius: Hundert Jahre jung – Was hat Sie dazu geführt, dieses Jubiläum auf ein ganzes Jahr auszudehnen und auch die Stadt Bozen und das kulturelle Umfeld mit einzubeziehen? F. Staffler: Ein Jubiläum für einen Tag mit einem rauschenden Fest – das feiern alle. Es schien mir nicht sinnvoll, nicht angepasst für das Laurin. Dieses Hotel ist so verwoben mit Kunst und Kultur, deshalb wollte ich das Laurin und die verschiedenen Strukturen, das Museion, das Haydn-Orchester, das MMM, die Design- Fakultät – Dinge, die bei uns zusammenlaufen – miteinander vernetzen. Radius: Haben Sie selbst schon einmal im Laurin übernachtet? F. Staffler: Einmal vor Jahren, als ich den Hausschlüssel vergessen hatte. Ich war ohne Pyjama, ohne Zahnbürstl, ohne Buch auf dem Nachttisch ... Aber das Bett war bequem, das Bad war gut. Radius: Was macht Ihrer Meinung nach den ganz persönlichen Charme des Laurin aus? F. Staffler: Das müssen Sie die Gäste fragen. Ich denke, dass es kein Kettenhotel ist, dass alles individuell abgestimmt ist. Die Ausstattung, die Kunst, das Flair, der Park, die Küche und natürlich die Mitarbeiter. Sie sind darauf getrimmt, jeden Gast mit einer ganz persönlichen Note zu behandeln. Radius: Ihnen gehören die beiden ersten Häuser im Zentrum von Bozen. Wo sehen Sie politischen Handlungsbedarf in der Fremdenverkehrspolitik? F. Staffler: Bozen ist eine Stadt, die viel bietet, eine in jeder Hinsicht reiche Stadt. Aber es ist nichts vernetzt. Nichts wird kundgetan. Im Ausland gibt es Bozen und sein Angebot nicht. Ein schwarzer Seit 1910 Hauselektriker des Hotel Laurin. Electro Universal GmbH Kampill Center Innsbrucker-Straße 25 I - 39100 Bozen - (BZ) Tel. 0471 974 572 Fax 0471 327 567 info@electrouniversal.it www.electrouniversal.it Fleck. Wir haben eine Kurverwaltung voll politischer Honoratioren jeder Couleur, die nichts bewegen. Außerdem hat Bozen keine Identität. Ist einfach zu zerrissen. Zwischen Deutsch und Italienisch. Zwischen Industrie und Kaufleuten. Wer in Bozen lebt, ist nicht stolz Bozner zu sein. Das Zusammenleben wird zu wenig praktiziert. Man trennt lieber. Es fehlt an Promotion. Dabei könnten wir die Kulturhauptstadt par excellence sein. Radius: Für Sie persönlich das absolute Highlight des Jubiläumsjahres? F. Staffler: Schwer zu sagen. Vielleicht das Rossini Diner am 28. August. Vier Klaviere mit vier Pianisten, darunter Gustav Kuhn. Acht Sänger. Rossini, Belcanto und napoletanische Lieder. Alles um den Elefanten herum. Im Restaurant, im Park, in der Loungebar. Gute Leute, gute Musik. Radius: Und was kommt nach den Hundertjahr-Feiern? F. Staffler: Life. Was das Leben eben so bringt. Jung bleiben. Neue Ideen. Eine CD über den Jubiläumsjazz ... Franz Staffler mit Gustav Kuhn 02/2010 59

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